Wenn ein Verein ein Jubiläum begeht, ist dies auch immer ein Anlass für einen Rückblick auf die einzelnen Etappen und Geschehnisse, die mit dem Jubiläum unmittelbar in Verbindung stehen.
Der Ski Club Seebach 1927 e.V. schaut heute auf 75 Jahre zurück.
Vorweg ist zu bemerken, dass der Skisport in unserer Gegend weit über
die letzten 75 Jahre hinausgeht.
Schon lange zuvor wurde in unserer Gegend der Skisport betrieben, bevor man
beschloss, sich zu einem Verein zusammenzuschließen. Gemessen an anderen Sportarten ist der Skisport noch eine relativ junge Sportart.
Ein gewisser Professor Kohlhebb war es, der 1894 erstmals am Ruhestein mit
Skiern aus Norwegen, dem Geburtsland des weißen Sports, sich sehen ließ und
damit Aufsehen erregte. Sehr interessiert waren die Brüder Wilhelm und
Bernhard Kern, die den Mann mit den komischen Brettern an den Füßen
bestaunten. Besonders Wilhelm Kern ließ es keine Ruhe. Er dachte an die
Nützlichkeit solcher Ausrüstung, wenn man im Winter auf verschneiten
Waldwegen unterwegs sein musste. So bastelte er sich aus Ahornholz seine ersten
Schneeschuhe, die nachgewiesenermaßen zweitältesten im Schwarzwald
hergestellten Skier. Sie werden heute noch auf dem Kernhof als Erinnerungsstück
aufbewahrt. Bernhard Kern bewegte sich fortan jeden Winter auf den Brettern.
Bei einer Regimentsübung am Titisee im Winter 1909 war er der einzige
Skifahrer des Regiments und wurde als Meldeläufer auf Skiern eingesetzt.
Schon im Jahre 1907 wurde auf dem Ruhestein das erste Skirennen veranstaltet. Am Start waren allerdings nur fünf Läufer, darunter auch Bernhard Kern, der als Sieger aus diesem Wettkampf hervorging. Zu bedenken ist dabei, dass die damaligen Wettkämpfe nur in recht ausgedehnten Langläufen bestanden haben. Am 3. März 1910 fand auf der Strecke vom Ruhestein bis zur Hundseck die erste "Schwarzwald-Dauerlauf-Meisterschaft" statt. Unter den Teilnehmern befanden sich auch drei Norweger, die jedoch wie alle anderen Läufer auch von Bernhard Kern besiegt wurden, der mit einer Viertelstunde Vorsprung ins Ziel kam. Somit stellte der Ski Club Seebach der ersten Schwarzwaldmeister. Bernhard Kern war es auch, der im Winter 1908/1909 die Prinzen von Spanien und Preußen im Skilauf unterrichtete. Als jüngere Läufer fanden sich 1907 die Gebrüder Bruder ein und errangen in den damals üblichen Langlaufkämpfen stets erste Preise, die gewöhnlich in ein Paar Norwegerski bestanden. Sie schafften es unter der Konkurrenz württembergischer Skiläufer, mit denen sie damals in der Skizunft Ruhestein vereinigt waren. In derselben Zeit liefen auch schon als Schüler Fritz und Franz Schmälzle bei den Läufen mit, und holten sich verschiedene der ausgesetzten Preise.
Nach dem ersten Weltkrieg gewann der Skisport immer mehr an Popularität. So wurden im Winter die Lebensmittel per Schneeschuhe auf die Höhengaststätten und zu den entlegenen Höfen geschafft. Auch die Schüler von der Höhe benützten ihre oft mehr als primitiven Skier, um im Winter überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können. Der damalige Oberlehrer Fischer erkannte den Wert der "Bretter" und förderte unter der Schuljugend den Skilauf.
So fanden sich im Januar 1927 einige dem weißen Sport ergebene Männer und Jugendliche zusammen und gründeten mit Gleichgesinnten aus Ottenhöfen im damaligen Cafe Schnurr einen Ski Club unter dem Namen "SC Ottenhöfen/Seebach". Gründungsvorsitzender wurde Dr. Karl Ganter, dessen Stellvertreter Adolf Frietsch. Besonderer Förderer des Vereins war Emil Oster, der Clubabende veranstaltete und die Läufer für Wettläufe nominierte und vieles für die Organisation tat. So fanden beispielsweise in den Jahren 1928/1929 die damaligen Schwarzwald-Meisterschaften auf Hundseck und Ruhestein statt, wobei über 100 Läufer am Start waren und der langjährige Ehrenvorstand Franz Schmälzle einen der ersten Plätze belegte. Sechs Jahre lang vertraten so gemeinsam Ottenhöfen und Seebach die Belange des Skisports. Die Vereinsmeisterschaften wurden gewöhnlich im Unterwasser, am Wolfsbrunnen, im Edelfrauengrab und auf der alten Ruhesteinstraße ausgetragen.
Im Jahre 1934 etablierte sich Seebach als selbständiger Club aufgrund seiner ständig gewachsenen Mitglieder- und Anhängerzahl. Am 25. November des Jahres fand die Gründungsversammlung im Gasthaus "Zum Wolfsbrunnen" statt. Anwesend waren 40 Gründungsmitglieder. Zum ersten Vorsitzenden wurde Franz Schmälzle gewählt, der diesen Posten fast 25 Jahre inne hatte. Stellvertreter wurde Fridolin Hils, während Emil Hils für die Kasse verantwortlich und Fritz Schmälzle als Schriftführer tätig war. Am 7. Dezember 1934 genehmigte der Deutsche Skiverband die Aufnahme als Ortsgruppe in den Skiverband Schwarzwald, Gau 14 wie es damals hieß. Von der Aktivität des jungen Clubs zeugt der Ausbau der Harzteichschanze, die in 33 Frontagewerken erbaut, und am 14. Februar 1934 eingeweiht wurde. Von dieser Zeit an beteiligte sich der SC Seebach mehr oder weniger erfolgreich bei allen Wettkämpfen, die auf den Wintersportstätten des Nordschwarzwaldes ausgeschrieben waren. Im Jahre 1938 wurden erstmalig die Schuljugendmeisterschaften in das Winterprogramm aufgenommen.
Im zweiten Weltkrieg reduzierte sich die Clubtätigkeit wieder bis zum Stillstand. Ein allgemeines Verbot für alle Sportverbände durch die Besatzungsmächte bei Kriegsende ließ erst am 5. Februar 1949 eine Generalversammlung zwecks Neugründung zu. Die ersten Vereinsläufe nach dem Krieg fanden im März 1949 statt. Vom Winter 1949/1950 an setzte sich Lehrwart Robert Kern besonders für die Ausbildung der Schuljugend ein und hat sich dabei viele Jahre lang hervorragende Verdienste für den Nachwuchs erworben. Er war es auch, der die Anregung zu einem alljährlichen Oktoberfest zur Pflege der Kameradschaft und als Auftakt für die bevorstehende Wintersaison gab.
Die ersten nordischen Bezirksmeisterschaften nach dem Kriege fanden im Winter 1949/1950 statt, wobei sich der Läufer Franz Huber erfolgreich gezeigt hatte. Auf Anregung von Vorstand Franz Schmälzle wurde im Jahre 1951 die Achertal-Abfahrtslaufstrecke ausgesteckt und hergerichtet. Hierzu stiftete der SC Seebach einen Wanderpreis, der im Winter 1951/1952 erstmals ausgetragen wurde. 180 Läufer waren bei dieser Veranstaltung am Start, wobei der SC Seebach nicht nur den Pokal gewinnen konnte, sondern durch den Clubkameraden Erich Schmälzle auch die Tagesbestzeit für sich verbuchte.
Um den Langlauf zu fördern, wurde auf Anregung von Robert Kern ein Staffellauf "Rund um den Kernhof" ins Leben gerufen. Vom Gasthaus "Kernhof" wurde hierzu ein Pokal gestiftet. Zum erstenmal war dieser Wettkampf im Winter 1953/1954 ausgeschrieben. Es war der SC Bühlertal, der den Pokal mitnahm. Nach einigen Jahren musste man jedoch davon wieder absehen, da sich aufgrund der Jungkulturen keine geeignete Streckenführung mehr finden ließ. Des weiteren verloren die anstrengenden Langläufe zugunsten der Abfahrtsläufe an Beliebtheit. Ebenfalls Mitte der 50er Jahre stiftete das Kaufhaus Steimle in Ottenhöfen einen Wanderpreis für die Schuljugend des Achertales, der in der Folgezeit von der Seebacher Schuljugend fast alljährlich gewonnen wurde.
In der Generalversammlung am 20 Dezember 1958 legte der verdienstvolle 1. Vorsitzende Franz Schmälzle seinen Posten nach nahezu 25-jähriger Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde Hans Blob, der bis 1962 in diesem Amt tätig war, bis er dann aus beruflichen Gründen aus dem Vorstand ausschied. Von da an nahm Siegfried Schneider die Position des ersten Vorsitzenden ein. Es kamen immer wieder neue Aufgaben auf den Verein zu. So wurde zum Beispiel auch zusammen mit Nachbarvereinen des Achertals und Württembergs die Sprungschanze am Ruhestein errichtet, wodurch die Trainingsmöglichkeiten für die nordischen Disziplinen verbessert wurden.
Nach der Neugründung fanden Schüler- und Vereinsläufe statt, man nahm an bezirks- und verbandsoffenen Wettkämpfen teil und war dabei stets erfolgreich. Anfang der 60er Jahre schickte der Verein seine aktivsten und talentierten Läufer zum Training nach Österreich. Mehrfach konnte der Club Bezirks- und Bezirksjugendmeister stellen. Von da an ging es für den Verein sportlich steil bergauf. Die Streckenrekorde auf der Achertalabfahrtsstrecke wurden von Rudi Stutz, Bernd Maier und Hans Georg Springmann immer wieder verbessert. Bernd Maier konnte sich 1969 als erster Seebacher für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Im Februar 1973 wurde er Schwarzwaldmeister im Riesentorlauf. Im Jahr darauf setzte Heinz Georg Springmann die Erfolgsserie fort, indem er zum zweiten Mal den Schwarzwaldmeistertitel im Riesenslalom nach Seebach holte. 1976 gelang es ihm sogar, Baden-Württembergischer Meister im Riesenslalom zu werden. In die Liste der Schwarzwaldmeister im Riesenslalom konnte sich 1982 dann auch Leo Fischer eintragen.
Im Juni 1986 verstarb Siegfried Schneider, nach 24jähriger Tätigkeit als erster Vorsitzender. Sein Nachfolger wurde Rudi Stutz. Um die Finanzen des Vereins aufzubessern, veranstaltete man seit Beginn der 80er Jahre ein Sommerfest am Seibelseckle und Kurparkpartys. Bis Ende der 80er führte man auch eine Altmaterialsammlung durch, solange sich das Kosten-Nutzenverhältnis noch positiv ausgewirkt hat. Das alljährliche Fußballturnier der örtlichen und befreundeten Vereine und der Skikurs sind inzwischen zur Tradition geworden. Zur Pflege der Kameradschaft wurden auch immer wieder Wanderungen und Touren in den Alpen durchgeführt, die lange Zeit von Alfons Decker organisiert wurden.
Neuerungen im Skisport machten auch vor dem SC Seebach nicht halt. So beschloss man 1985, sich die ersten, damals schon teuren Kippstangen sowie ein Motor-Bohrgerät zu erstehen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Seit 1987 besitzt der Verein sein clubeigenes Fahrzeug und 1990 wurde auf Anregung von Hans Fischer ein eigenes Zelt beschafft, das inzwischen zahlreichen Veranstaltungen dient und sich durch die Verleihung an Dritte als gute Finanzquelle erweist. Hatte man schon seit 1976 eine elektronische Zeitmessung, wagte man sich 1991 auch an die EDV, welche die Arbeit bei Rennveranstaltungen und den sonstigen Tätigkeiten erheblich vereinfacht. Gut ausgerüstet traute man sich nun auch, größere Rennen durchzuführen, wie 1992 die Baden-Württembergischen Meisterschaften, die nach Andermatt/Schweiz verlegt werden mussten. Bereits im September jeden Jahres beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison mit dem Trockentraining. Zur Tradition wurde in diesem Zusammenhang das erste Schneetraining des Nachwuchses am Stilfser Joch, das seit 1980 in den Herbstferien stattfindet.
Besondere sportliche Erfolge konnten im Winter 1990/1991 Leo Fischer und Heinz Georg Springmann bei der Senioren WM erzielen, wo Leo Fischer Weltmeister und Heinz Georg Springmann Vize-Weltmeister wurde. Zwei Jahre darauf, in der Saison 1991/1992, errang auch Heinz Georg Springmann den Senioren Weltmeistertitel. Sein Sohn Mario errang 1993 den ersten Schwarzwaldmeistertitel bei den Schülern im Slalom für den SC Seebach. Manuel Wonsik stand ihm ein Jahr später in nichts nach und errang diesen Titel ebenfalls. Zusätzlich wurde er im gleichen Jahr doppelter Vizemeister bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften. Die Saison 1995/1996 war für Manuel Wonsik ebenfalls mit dem Jugend-Schwarzwaldmeistertitel im Slalom sehr erfolgreich.
Die Zahl der gewonnenen Mannschaftswertungen ist weiter im Aufwärtstrend. Nicht nur bei den Alpinen, sondern auch bei den Nordischen konnten immer wieder vordere Ränge erzielt werden. Es konnten zahlreiche Bezirksmeistertitel sowie hervorragende Platzierungen bei Schwarzwald-, Baden-Württembergischen- und Deutschen Meisterschaften errungen werden. Die Vielseitigkeit des Vereins zeigte sich auch durch eine kleine Gruppe von Grasskifahrern. Auch auf diesem Gebiet war man, mit Unterstützung des Ski Club Forbach, sehr erfolgreich. 1993 wurde Daniel Oberle Deutscher Jugendmeister und Udo Weber qualifizierte sich für die WM in Italien.
Im Jahr 1993 musste für den Verein ein neues Vereinslokal gefunden werden, nachdem der "Wolfsbrunnen" nach einer jahrzehntelangen Tradition geschlossen wurde. Man entschied sich damals für das Berggasthaus "Kernhof" als neues Clublokal. Im Oktober 1994 löste Bernd Maier Rudi Stutz als ersten Vorsitzenden ab. Geschichtsträchtig war auch die Generalsversammlung vom 20.Oktober 1995, in der man die Abschaffung der renommierten Achertalabfahrtstrecke beschloss. Gründe dafür waren die jährlichen Instandhaltungsarbeiten, der ausgebliebene Schnee in den vorangegangenen Jahren, die schneller und stärker taillierten Abfahrtskier sowie verschärfte Sicherheitsvorschriften und Schadenshaftungsbedingungen. Ein großes Ereignis war das 70-jährige Jubiläum im Jahre 1997. Allen Beteiligten wird dies als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung bleiben. Sportlicher Höhepunkt im folgenden Jahr war die Ausrichtung der Baden-Württembergischen-Schülermeisterschaft am Mehliskopf. Auch zukunftsorientierte Investitionen wurden vorgenommen. So wurde 1999 ein Anhänger in Eigenarbeit gebaut, der es nun erlaubt den Zelttransport wirtschaftlich zu gestalten. Eine neue Musikanlage wurde 2000 angeschafft.
An sportlichen Erfolgen gilt es den Deutschen Meistertitel der Senioren von Leo Fischer zu erwähnen, den er 2000 in Menzenschwand im Slalom erringen konnte. In der Saison 2001/2002 konnte der Jugendläufer Nico Springmann die beste DSV-Rennpunkte der Vereinsgeschichte einfahren und Rebekka Fischer stand als Schülerläuferin nach vielen Punkterennen auf dem Treppchen. Als einer der wenigen Vereine im Bezirk hat der Ski-Club noch aktive nordische Läufer. Für diese Läufer mit ihrem Sportwart Helmut Strübel ist es jedes Jahr Ehrensache an dem Engadin-Skimarathon teilzunehmen.
Letztendlich lässt sich zusammenfassen, dass der Ski Club in den vergangenen siebeneinhalb Jahrzehnten nicht nur im Winter ein bewegtes Vereinsleben vorweisen kann. Es bleibt die Hoffnung, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird und die Kameradschaft, als Basis dafür, aufrechterhalten bleibt. Dann werden mit Sicherheit auch die sportlichen Erfolge anhalten.
Ski Heil!